Bibliothekarisches Glossar

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Bestandserhaltung / Buchbinderbegriffe

Bestandserhaltung umfasst alle den Bücherbestand schädigende Faktoren, die am Buch auftretenden Schäden, sowie Verfahren, wie mit diesen Schäden umgegangen werden kann, bzw. diese verhindert werden. Buchbinderbegriffe beziehen sich auf die Bestandteile der Publikationen und die Art der Herstellung.
Kontext: Bestand

Anfasern

Ergänzung abgekrümelter Papierränder oder anderer Fehlstellen durch einen neuen Blattbildungsprozess: Dabei wird dem auf einem Feinsieb liegenden Bogen eine Papierfaser-Suspension zugeführt, mit Unterdruck wird die Suspension in den Bereich der Fehlstelle gesaugt. Während das Wasser abfließt, verbleiben die klebrigen Papierfasern der Suspension auf dem Sieb im Fehlstellenbereich und fasern am alten Papier an. Die stoffliche Ergänzung und ästhetische Angleichung (z. B. durch Einfärbung der Papiermasse) steht dabei im Vordergrund, die neu angefaserte Papierpartie schützt die Originalsubstanz vor mechanischen Beschädigungen sowie Umwelt- und Klimaeinflüssen.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Antichlor

Darunter fallen Stoffe wie Natriumthiosulfat (Na2S2O3) oder Natriumsulfit (Na2SO3), die nach einer Chlorbleiche gebraucht werden, um überschüssiges freies Chlor im Papier zu binden.
02.05.2002Frenz
Siehe auch: Chlorbleiche


Aufwellung

Aufgewellte Ränder bei Papier und Pergament drücken den Buchblock auseinander. Aufwellungen entstehen durch Schimmelpilzbefall und Feuchtigkeit.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Ausschleifen

Verdünnen von Pergament, das nicht geschärft werden kann mit einer Glasscherbe, einer Klinge oder mit dem Schleifband.
02.05.2002Frenz
Siehe auch:


Bakterienbefall

Bakterien sind einzellige Lebewesen mit kugeligem (Kokken), stäbchenförmigem (Bazillen) oder spiraligem (Spirillen) Körper. Wie auch die sog. Strahlenpilze (Actinomycetes) besitzen die meisten Bakterien im Unterschied zu Pilzen keinen eigentlichen Zellkern. Die Widerstandsfähigkeit der verschiedenen Mikroben hängt von ihrer Fähigkeit zur Sporenbildung ab. Bakterien bevorzugen ein neutrales oder schwach basisches Substrat mit einem pH-Wert von 7 - 8,5 und befallen daher v.a. Pergament, das durch die Kalkbehandlung basisch wird. Sie benötigen einen Feuchtigkeitsgehalt von etwa 30% im befallenen Substrat. Zellulose zersetzende Bakterien, die v.a. feucht gewordene Materialien befallen können, gehören zu verschiedenen systematischen Gruppen: Zu nennen wären u.a. die Cytophaga-Arten sowie die Gattungen Vibrio und Actinomyces (Streptomyces). Als Pergamentschädlinge treten v.a. Bakterien mit der Fähigkeit zur Farbstoffbildung auf wie das Bakterium prodigiosum (Serratia marcensens), das den blutroten Farbstoff Prodigiosin ausscheidet. Auch Strahlenpilze wurden als Schädlinge von Bibliotheks- und Archivgut beobachtet. Der Bakterienbefall zeigt sich auf dem Pergament nicht nur als farbige Flecken, sondern kann auch Löcher verursachen oder das Pergament in gelatinöse Massen verwandeln, die dann faulen. Pilze und Schleim bildende Bakterien wurden aus Buchfragmenten aus dem 17. und 19. Jahrhundert isoliert. Einige in Büchern vorkommende Actinomyceten-Arten können bei Menschen und Tieren Erkrankungen (Actinomykosen) hervorrufen.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Batelle Ingenieurtechnik GmbH

Die inzwischen geschlossene Firma Batelle mit Sitz in Eschborn entwickelte einen umfassenden Service zur Papierentsäuerung nach dem sogenannten Papersave-Verfahren. Mit diesem Verfahren können Bücher, Archivalien und anderes Schriftgut unterschiedlicher Beschaffenheit und Verpackung im großen Umfang entsäuert werden. Die dabei verwendete Behandlungslösung aus Magnesium-Titan-Alkoxiden zur Neutralisation und dem Lösemittel Hexamethyldisiloxan ist eine patentierte Neuentwicklung. Die Auftragsannahme und -abwicklung für die bei Batelle durchgeführte Entsäuerungsbehandlung wurde durch die Firma Schempp Bestandserhaltung und Schadensanierung, Korntal-Münchingen (http://www.Bestandserhaltung.de) übernommen.
02.05.2002Frenz
Siehe auch:


Bleichen

Aufhellen von Flecken und Verfärbungen durch eine chemische Behandlung, meist durch Oxidation.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Bockkäfer (Cerambycidae)

Käferfamilie, deren Arten sich durch auch für Menschen hörbares Zirpen orientieren und deren Larven teilweise zu den Holzschädlingen zählen
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Buchblock

Der Innenteil eines Buches, das heißt die Gesamtheit der Papierblätter ohne die Vorsatzblätter. Der Buchblock ist entweder paginiert (die Seiten sind gezählt) oder foliiert (die Blätter sind nummeriert).
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Buchpatenschaft

Buchrestauration von Einzelstücken auf der Basis von Spenden- und Sponsorengeldern. Die Spender bzw. Sponsoren fungieren als Paten und werden, meist ab einer gewissen Summe, im Zusammenhang mit dem geretteten Buch genannt. Dies geschieht oft durch spezielle Exlibris, welche den Namen des Spenders tragen. Buchpatenschaften entstehen in der Regel im Rahmen von Projekten und systematisch angelegten Rettungsaktionen von Fördervereinen oder Arbeitsgruppen, welche mögliche interessierte Spender gezielt ansprechen. Die zweckgebundenen Spenden können sich auf Leistungen wie die individuelle Restaurierung, die Einbandreparatur bzw. die Neubindung, die Entsäuerung oder die Verfilmung beziehen. Sie sind steuerlich als Sonderausgaben abzugsfähig.
02.05.2002Frenz
Siehe auch: Privatisierung


Bücherlaus (Liposcelis divinatorius)

Flügellose, winzige (max. ca. 1,5 mm), zwischen Papierseiten lebende Art der Staubläuse, lebt vorzugsweise in feuchter, warmer Umgebung und ernährt sich von Schimmelpilzen, Stärke, organischem Leim, Gewebe, Papier, Seide und Leder, natürlicher Fressfeind ist der Bücherskorpion.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Bücherschädlinge

Oberbegriff für Insekten, Nager u.a. Tiere, die Papier, Pappe, Holz, Leim u.ä. fressen.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Bücherskorpion (Chelifer cancroides)

Rötlich-brauner, sehr kleiner (ca. 3 mm) Nützling, Afterskorpion ohne Giftstachel, lebt u.a. in Gebäuden zwischen Büchern, wo er Bücherschädlinge wie Milben und Bücherläuse jagt.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Bücherwurm

Allgemeine Sammelbezeichnung für die Larven verschiedener Käferarten, die ihre Eier in Büchern ablegen und deren Larven sich dann unter Umständen mehrere Jahre durch ihre Umgebung fressen und dabei erhebliche Schäden verursachen.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Büttenleimung

In der manuellen Papierherstellung war das Leimen der Bögen ein selbständiger Arbeitsgang neben Schöpfen, Pressen, Trocknen und Polieren. Durch die Leimung wurde das Papier tintenfest.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Calciumsulfat

02.05.2002Frenz
Siehe auch: Gips


Cellophanierung

VERWEISE: Kaschierung
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Cera lanae

02.05.2002Frenz
Siehe auch: Wollwachs (Cera lanae)


Cetaceum

02.05.2002Frenz
Siehe auch: Walrat


Chemische Schimmelbekämpfung

Zur chemischen Schimmelbekämpfung werden sowohl gelöste als auch gasförmige Chemikalien verwendet. Als wirksam zur Abtötung der Pilzstämme gelten Ethylenoxid und o-Phenylphenol. Das am häufigsten angewandte Verfahren ist die Begasung mit Ethylenoxid. Eine weitere, einfachere Möglichkeit ist die Alkoholbehandlung: Dabei werden betroffene Einbände mit hochkonzentriertem Alkohol (>70%) abgewischt.
02.05.2002Frenz
Siehe auch: Ethylenoxid


Chlorbleiche

In der Herstellung von Hadernpapier wurde mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert Chlor, zunächst gasförmig, dann als Chlorkalk, zur Bleiche in der Papierproduktion eingeführt. Somit konnten nun auch gefärbte und bedruckte Lumpen zur Herstellung von weißem Papier verwendet werden. Auch wurden durch den Zusatz von Chlor Faulzeit und Faserverlust des Lumpenrohstoffs reduziert. Jedoch griff das aggressive Chlor auch das Papier selbst an und ließ die Tinte verbleichen. Die Papiermacher halfen sich hierbei durch Zusätze von Antichlor.
03.05.2002Frenz
Siehe auch: Antichlor


Dehydrierung

Reaktion, bei der Wasserstoff aus einer organischen Verbindung abgespalten wird. Infolge von Dehydrierung können Haarrisse im Papier auftreten.
02.05.2002Frenz
Siehe auch: Haarriss


Deutsche Schabe (Blattella germanica)

Auch: Hausschabe, kleiner (bis 15 mm), brauner Kulturfolger. Sie trägt einen Halsschild mit zwei dunklen Längsstreifen. Sie ist flugunfähig, nachtaktiv und bevorzugt eine warme Umgebung. Der Allesfresser verursacht v.a. an organischen Buchmaterialien Fraßschäden.
02.05.2002Frenz
Siehe auch:


Drahtheftung

In den Jahrzehnten um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert auch bei Büchern beliebte Form der Lagenheftung. Durch Feuchtigkeit und in Verbindung mit säurehaltigem Papier ergeben sich dadurch schwere Rostschäden und die Gefahr des Ausreißens von Lagen.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Dreifachknickprobe

Ein Test, um die Schädigung des Papiers zu prüfen: Ein Eselsohr in die Seite knicken und drei Mal umfalzen. Was ein gesundes Papier ohne weiteres verträgt, führt beim sauren Papier zum Abbrechen der Ecke. Eine sanftere Methode besteht darin, mit dem Finger gegen die Seite zu schnalzen. Gutes Papier klingt dabei straff und hell, geschädigtes jedoch tonlos und dumpf.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Einband

Der Einband bildet mit dem Buchblock zusammen den Codex und hat die Aufgabe den Buchblock zu schützen. Er besteht in der Regel aus vorderem und hinterem Deckel sowie dem Buchrücken und ist über die Heftung mit dem Buchblock verbunden.
02.05.2002Frenz
Siehe auch:


Einbandmakulatur

Fragmente aus fehlerhaften, beschmutzten, zerrissenen oder anderweitig als minderwertig eingeschätzten Handschriften oder Druckerzeugnissen, die als Material zur Verstärkung von Einbänden benutzt wurden, etwa im Rücken oder in mehreren Schichten übereinander in oder auf dem Deckel. Werden bei Restaurierungsarbeiten solche Fragmente entdeckt, sollte der Restaurator einen Bibliothekar hinzuziehen, um über ihre Wertigkeit zu entscheiden. Es ist zu klären, ob sie herausgelöst und anschließend im Band untergebracht oder separat aufgestellt werden.
03.05.2002Frenz
Siehe auch: Einbandrestauration


Einbandrestauration

Die Restauration von Einbänden erfolgt nur bei besonders wertvollen Stücken, dann aber unter Beibehaltung möglichst vieler originaler Substanzen. Typische Formen der Einbandrestaurierung sind die Ergänzung von fehlenden Materialien (z.B. Bezugsstoffe oder Beschläge), die Ergänzung ganzer Einbandteile (Deckel, Rücken etc.), die Befestigung von losem Einbandmaterial oder die Tiefenreinigung und Pflege der Einbände. Weniger wertvolle oder neuere Bände werden in der Regel repariert oder ersetzt. Die Sicherung beschädigten Sammelgutes kann auch durch das Einkapseln in maßgenau zugeschnittene oder konfektionierte Boxen geschehen.
02.05.2002Frenz
Siehe auch:


Einbetten

Einkleben eines geschädigten Blattes zwischen zwei Japanpapieren zur Stabilisierung des Blattes. Alternativen sind die Papierspaltung und das Laminieren.
03.05.2002Frenz
Siehe auch: Laminierung , Papierspaltung , Japanpapier


Eisengallustinte

Hergestellt aus Galläpfeln und Eisensalzen, wegen ihrer Farbechtheit seit der Renaissance überaus beliebt. Da sich beim Schreiben die Eisensalze unlösbar auf dem Papier ablagern, war Eisengallustinte lange als Kanzleitinte vorgeschrieben. Der gravierende Nachteil dieser Tinte besteht darin, daß sowohl Galläpfel wie die verwendeten Eisensalze stark säurehaltig sind und damit zum Tintenfraß führen.
03.05.2002Frenz
Siehe auch: Säurefraß


Entfeuchtung

Die Reduzierung des Feuchtigkeitsgehalts der Luft als Notbehelf bei ungünstigen klimatischen Bedingungen in Magazinräumen.
03.05.2002Frenz
Siehe auch: Luftfeuchtigkeit


Ethylenoxid

Hochreaktives, explosionsfähiges Gas. Es ist eine Grundchemikalie in der industriellen organischen Chemie. Ethylenoxid wird besonders zur Kaltsterilisation verwendet. In der Bestandserhaltung dient es zur Abtötung von Schimmelpilzsporen in Büchern. Die Begasung erfolgt entweder mit reinem Ethylenoxid oder in einer Kohlendioxidverdünnung. Nach der Begasung müssen die Bücher auslüften, damit die Reste ausgasen (Desorption). Danach werden sie Seite für Seite mechanisch gesäubert, d.h. ausgebürstet. Wegen der hohen Schadstoffbelastung gilt die Verwendung von Ethylenoxid für Menschen als bedenklich.
03.05.2002Frenz
Siehe auch: Chemische Schimmelbekämpfung


Farbfraß

Zerstörung des Bildträgers (Papier, Pergament) durch Grünspan (Kupferazetat), der als grüne Farbe verwendet wurde.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Fehlstellenergänzung

03.05.2002Frenz
Siehe auch: Anfasern


Feuchtigkeitsmesser

03.05.2002Frenz
Siehe auch: Hygrometer


Franzband

Spezielle Bindetechnik, die aus dem französischen Raum übernommen wurde. Ihr charakteristisches Merkmal ist der tiefe Falz, der einen nahtlosen Übergang zwischen Buchdeckel und Buchrücken ermöglicht.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Fraßschaden

Mechanische Zerstörung an Buch und Papier durch Nage- und Fraßspuren von Schädlingen. Nagetiere beschädigen meist das Äußere der Objekte, während Insekten durch Eiablage und Larvenentwicklung innerhalb der Objekte Schäden anrichten.
03.05.2002Frenz
Siehe auch:


Gelatine

Gut geeigneter Klebstoff für die Ergänzung von Pergamentfragmenten durch anderes Pergament.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Gips

Durchsichtig-farbloses oder weißes, durch Verunreinigungen grau u. ä. gefärbtes Mineral. Gips wird u. a. zur Herstellung von Füllstoffen für Papier verwendet.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Gipsbildung

Resultat eines chemischen Zerfallsprozess bei Pergament, der durch schwefelhaltige Chemikalien hervorgerufen wird, die im 19. Jahrhundert dem Pergament häufig bei der Herstellung zugefügt wurden. Die Chemikalien werden durch den katalytischen Effekt der Eisen- und Kupferionen in den Pergamenthäuten zu Säure, die mit dem Kalziumkarbonat im Pergament reagiert, wodurch sich Kalziumsulfat (Gips) bildet. Das Pergament verfärbt sich aschgrau und wird brüchig.
03.05.2002Frenz
Siehe auch: Pergament


Haarriss

Feiner, etwa 0,2 mm breiter Riss, der u. a. dadurch entsteht, daß sich die Oberflächenschichten eines Körpers z. B. durch Abkühlung schneller zusammenziehen als das Innere. Zur Vermeidung von Harrissen sollten Lederbände daher möglichst keinen starken Temperaturschwankungen ausgesetzt werden.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Hanffaserpaste

Teigige Masse aus zerkleinerten Hanffasern und Kleister zur Lederbehandlung. Wenn das Einpassen von Lederstücken in Fehlstellen auf Ledereinbänden nicht mehr möglich ist, etwa weil die Brüchigkeit des Altleders dies nicht erlaubt, so kann man die betreffenden Stellen durch Hanffaserpaste behandeln, die bei entsprechender Einfärbung einen lederähnlichen Eindruck hervorruft.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Harnstoff

Mittel zur Behandlung stark verhornter und deformierter Pergamente. Harnstoff in alkoholischer Lösung lagert sich zwischen den reaktionsfähigen Partien des Kollagens an und vergrößert den Abstand zwischen den Polypeptidketten. Daraus resultiert eine größere Beweglichkeit der Fasern und damit eine Erweichung des Materials. Je nach Verhornungsgrad kommen zwei- bis zehnprozentige Harnstofflösungen zur Anwendung.
03.05.2002Frenz
Siehe auch: Pergament


Hausbock (Hylotrupes bajulus)

Schlanker, kleiner (max. 22 mm) Kulturfolger, schwarzbraun mit langen Fühlern, gefährlicher Schädling aller Arten von Nadelhölzern innerhalb von Gebäuden (betrifft z.B. Holzeinbände), sowohl Larven als auch erwachsene Tiere verursachen Schäden durch Fraßgänge bis zum Zusammenbruch des befallenen Materials.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Hausbuchbinderei

Häufig betreiben größere Bibliotheken eine Hausbuchbinderei, in der die einfacheren und regelmäßig anfallenden Arbeiten wie das Ersetzen labiler oder kaputter Verlagseinbände durch stabilere Bibliothekseinbände, das Einbinden von Zeitschriftenbänden und das Anfertigen von Schubern, Kassetten, Boxen und sonstigen Schutzverpackungen erledigt werden. Aufträge zur Restaurierung wertvoller Bände werden nur dann an die Hausbuchbinderei gegeben, wenn das fachliche Know How und die notwendigen Gerätschaften vorhanden sind. Die Durchführung solcher Arbeiten im Hause ist vorteilhaft, weil das wertvolle Objekt nicht weit transportiert werden muss und immer eine bibliotheks- und wissenschaftsnahe Betreuung gewährleistet ist. Ist die notwendige Kompetenz nicht im Haus vorhanden, wird eine gewerbliche Buchbinderei oder Restaurierungswerkstatt beauftragt.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Holzbohrkäfer (Bostrychidae)

Artenreiche Käferfamilie, meist von dunkler Farbe, mit gewölbtem, den Kopf verdeckenden Halsschild, sowohl die Larven als auch die erwachsenen Tiere bohren Fraßgänge in totem Holz und Papier.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Holzschliff

Wird für die Papierherstellung aus entrindeten Holzstämmen durch Schleifen an schnell rotierenden Schleifsteinen unter ständigem Wasserzufluss hergestellt. Für die Herstellung von Holzschliffpapier genügen geringe Mengen von Zellstoff als Zugabe. Das mechanische Zerfasern des Holzes garantiert eine nahezu 100%ige Rohstoffausbeute, wohingegen bei der Zellstoffgewinnung aus Holz die Ausbeute bei nur etwa 50% liegt.
03.05.2002Frenz
Siehe auch: Holzschliff-verarbeitungsarten


Holzschliff-verarbeitungsarten

Es werden zwei Verarbeitungsarten unterschieden:1. Weißschliff, der vorwiegend aus Fichtenholz unter Zugabe von Wasser hergestellt wird.2. Braunschliff aus Kiefernholz, das vor dem Schleifen zerkleinert und unter Druck gedämpft oder gekocht wird. Braunschliff wird vorwiegend zu Packpapier, Lederpappe und ähnlichen Erzeugnissen verarbeitet.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Holzschliffpapier

Papier mit hohem Anteil verholzter Fasern, wie z. B. Zeitungsdruckpapiere, die bis zu 90% aus Holzschliff bestehen können. Holzhaltige Papiere enthalten neben gebleichtem oder ungebleichtem Zellstoff in der Regel zwischen 6 und 75% Holzschliff. Festigkeit und Weiße nehmen mit steigendem Holzschliffgehalt ebenso ab wie die Alterungsbeständigkeit der Papiere.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Holzwurm (Anobium punctatum)

Familie der Klopfkäfer (Anobiidae), sehr kleiner (3-4 mm) brauner Kulturfolger, ernährt sich von trockenem Holz innerhalb von Gebäuden, die Larven fressen sich 2-3 Jahre durch Holz, beim Schlüpfen schiebt der Käfer Holzmehl aus dem typisch runden Schlupfloch, natürlicher Fressfeind ist die Schlupfwespe.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Hygrometer

Gerät zur Messung der relativen Luftfeuchtigkeit. Das verbreitete Haarhygrometer macht sich die Veränderung der Länge eines menschlichen Haares durch die Aufnahme von Luftfeuchtigkeit zunutze. Die Längenänderung wird über einen Mechanismus und einen Zeiger auf eine Skala übertragen, auf der die relative Luftfeuchtigkeit in Prozent abzulesen ist. Das Hygrometer wird wie der Thermohygrograph zur Klimaüberwachung im Magazin eingesetzt und sollte monatlich nachgeeicht werden.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Luftfeuchtigkeit


Insektenbekämpfung

Wesentliche Maßnahmen sind: befallene Objekte aus dem Bestand entfernen, Umgebung großräumig mit Desinfektionsmitteln reinigen, Objekte selbst entweder mit Stickstoff oder Kohlendioxid begasen oder in Polyethylenbeutel eingeschweißt drei Tage lang bei -30°C bis -40°C tiefgefrieren oder vakuumtrocknen (s. a. Gefriertrocknung), im Magazin Leimfallen mit Lockstoffen auslegen (Kriechinsekten) und aufhängen (Fluginsekten).
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut

Das Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut mit Sitz in Ludwigsburg ist eine Abteilung der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, die als zentrale Einrichtung des Landes für die Konservierung und Restaurierung des in den Bibliotheken und staatlichen Archiven Baden-Württembergs verwahrten Kulturguts zuständig ist. Es stehen Kapazitäten in allen Sparten der Bestandserhaltung zur Verfügung. Insbesondere werden technische Großgeräte und Verfahren eingesetzt, die in den dezentralen Werkstätten der einzelnen Archive und Bibliotheken nicht wirtschaftlich angewandt werden können. Die dem Landesrestaurierungsprogramm angeschlossenen Institutionen können beschädigtes und gefährdetes Archiv- und Bibliotheksgut zur Restaurierung und/oder Schutzverfilmung abgeben. Daneben hat das Institut die Aufgabe, diese Einrichtungen auf allen Gebieten der Bestandserhaltung Buchbinderbegriffe zu beraten. http://www.lad-bw.de/fr-ife.htm
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Restaurierung


Intrinsischer Wert

Der intrinsische Wert beurteilt wie wichtig die äußere Form für den Inhalt eines Werkes ist. Wasserzeichen, besonderes Papier, handschriftliche Vermerke u.s.w. erhöhen den intrinsischen Wert. Wenn dieser Wert besonders hoch ist, kann das Original nicht auf einen anderen Informationsträger konvertiert werden.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Retrodigitalisierung


Japanpapier

Sehr dünnes und weiches, aber zähes Papier, das aus dem Bast bestimmter ostasiatischer Sträucher hergestellt wird.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Einbetten


Kapital

Dient zur Verzierung des Kopf- und Fußschnittes zum Buchrücken hin. Es soll in erster Linie den Raum zwischen Buchblock und Rückeneinlage abdecken. Man unterscheidet zwischen fertig gewebten Kapitalbändern und handgefertigten Kapitalen, die entweder aus Leder oder Stoff bestehen. Das handumstochene Kapital wird aus Knopflochseide und einer Einlage direkt am Buch gearbeitet.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Kassette

Dient zur Aufbewahrung von Büchern, ist allseitig geschlossen und bewahrt das Schrifttum somit vor Staub und Licht.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Schutzverpackung


Kettenstichheftung

Art der Heftung bei frühen Kodizes ohne Bünde (4.-9.Jh.). Der Zwirn verläuft in der Mitte des Bogens, tritt regelmäßig durch Heftlöcher nach außen und bildet, bevor er in die Lage zurückkehrt, eine Schlinge unter dem bereits Gehefteten. Es gibt zahlreiche Varianten, die zum Erfolg dieser Art der Heftung beitrugen. Schwachpunkt ist die labile Deckelverbindung, die ebenfalls nur durch einen Heftzwirn erfolgt.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Klauenöl

Lederpflegemittel, gewonnen aus den Fußknochen von Rindern, Schafen und Pferden nach der Entfernung der Hufe durch Auskochen oder Extraktion mit Fettlösern. Das Öl ist von hellgelber Farbe, fast geruchlos, wird nicht ranzig und verharzt nicht.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Klebebindung

Die Rückenkanten der losen Seiten des Buchblocks werden mit einem flexiblen, aber stabilen Kleber bestrichen und mit Papier, Mull oder ähnlichem Material zusammengeklebt und anschließend in einen Einband eingefügt.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Klebebänder

Selbstklebende Bänder, die meist aus einer Trägerfolie und dem Klebstoff bestehen. Als Material für Trägerfolien werden z. B. Zellulose, Zelluloseacetat, Polyvinylchlorid, Polypropylen, Vliesstoff und Papier verwendet. Als Klebstoffe werden Kautschuk, zusammen mit Harzen in Heptan oder Toluol gelöst, nicht vergilbende Polyacrylate oder Silicone eingesetzt. Die Klebstoffe können auf Papier und Pergament Verfärbungen und Schriftschwund hervorrufen.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Klebestreifen

04.05.2002Frenz
Siehe auch: Klebebänder


Klimaschwankungen

Organische Materialien wie Papier, Pergament oder Leder reagieren empfindlich auf Schwankungen des Raumklimas. Solche Temperatur- oder Feuchteschwankungen können zu irreversiblen strukturellen Schäden führen und die Stabilität des Verbundes zwischen Trägermaterial und aufgelegten Schichten lockern. Temperaturschwankungen können zur Bildung von Kondenswasser führen.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Luftfeuchtigkeit , Lufttemperatur, Raumklima


Klopfkäfer (Anobiidae)

Käferfamilie, deren Arten teilweise durch Aufschlagen von Kopf- und Brustpanzer auf Holz auch für Menschen hörbare Klopfgeräusche erzeugen, Klopfkäfer schädigen das Holz.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Holzwurm (Anobium punctatum) , Totenuhr (Xestobium rufovillosum)


Kollagen

Protein, das den Hauptbestandteil des Bindegewebes, der Sehnen und Knorpel sowie der organischen Substanz der Knochen bildet.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Konservierung

Maßnahmen zur materiellen Sicherung eines Objektes. Der Zustand des Buches soll erhalten und für die Zukunft bewahrt, natürliche Abbauprozesse sollen verlangsamt werden. Dabei handelt es sich nicht um aktive Eingriffe in die Originalsubstanz.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Konservierungseinband

Einband, der speziell zum Schutz des Buches und zum Erhalt oder zur Wiederherstellung seiner Funktionsfähigkeit hergestellt wird. Auf Dekoration wird vollständig verzichtet. Je nach Art des Bestandes werden verschiedene Typen von Konservierungseinbänden empfohlen, wobei immer die Funktionsfähigkeit der Konstruktion und Dauerhaftigkeit des Materials im Vordergrund stehen. Ein Erhalt des Originaleinbandes ist in jedem Falle vorzuziehen, ein Konservierungseinband ist aber zu erwägen, wenn der vorhandene Einband schon nicht mehr der Originaleinband ist und eine Beschädigung des Buchblocks und seiner Benutzbarkeit verursacht.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Korrosion

Die von der Oberfläche ausgehende, unerwünschte und im Allgemeinen von selbst ablaufende komplexe Reaktion eines Werkstoffes mit seiner Umgebung, die eine messbare Schädigung oder Zerstörung von Werkstoffen bzw. Werkstoffschichten bewirkt. Dies kann zu Stoffverlusten führen. Der Verlauf der Korrosion äußert sich in bestimmten Korrosionserscheinungen und führt zu Korrosionsprodukten, die abgelöst oder abgelagert werden und / oder zu Materialtrennungen. Grundsätzlich werden Korrosionsarten und Korrosionserscheinungen unterschieden. Die Korrosionsarten werden unterteilt in solche ohne mechanische Beanspruchung (z. B. Muldenkorrosion, Lochkorrosion, Spaltkorrosion, Kontaktkorrosion, Berührungskorrosion) und solche mit zusätzlicher mechanischer Beanspruchung (z. B. Spannungsrisskorrosion, Schwingungsrisskorosion, Reibkorrosion). Die Korrosionserscheinungen werden bezeichnet als gleichmäßiger Flächenabtrag, Muldenfraß, Lochfraß, fadenförmige Angriffsform, selektive Angriffsform, Korrosionsrisse.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Korrosionsschutz


Korrosionsschutz

Maßnahmen zum Vermeiden oder Verzögern von Korrosion durch Sauberkeit der Werkstoffe, Isolierung von Berührungsstellen, Vermeidung von Spalten, Vertiefungen u. a., ferner durch Maßnahmen, die als aktiver Korrosionsschutz bezeichnet werden, wenn sie von außen unmittelbar in den Korrosionsvorgang eingreifen, oder als passiver Korrosionsschutz, wenn sie durch Erzeugung von Schutzschichten oder Überzügen, z. B. Belegung mit Folien, den Werkstoff aus dem Korrosionsvorgang ausschalten. Beispiele für aktiven Korrosionsschutz: Zusatz von Alkalien zur Neutralisation von Säuren, Abtötung von Mikroorganismen durch Gifte.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Korrosion


Küchenschabe (Blatta orientalis)

Deutlich größer als die Deutsche Schabe (bis 30 mm). Sie ist dunkelbraun bis schwarz, trägt einen breiten, dunklen Halsschild. Weibl. Tiere besitzen nur Stummelflügel. Die Küchenschabe kann Krankheiten übertragen, ist nachtaktiv und bevorzugt eine warme Umgebung. Der Allesfresser, dessen Anwesenheit oft durch den typischen schlechten Geruch seiner Drüsensekretmarkierungen bemerkt wird, verursacht v.a. an organischen Buchmaterialien Fraßschäden.
04.05.2002Frenz
Siehe auch:


Lagenprotokoll

Die Lagenzusammensetzung von Pergament- und Papierhandschriften gibt Anhaltspunkte über die Entstehungsgeschichte und Vollständigkeit einer Handschrift und muss deshalb bei der Restaurierung dokumentiert werden. Hierfür kann man die in der Handschriftenkunde übliche Lagenformel nutzen: Römische Zahlen stehen für Doppelblätter, arabische Zahlen für Einzelblätter, hochgestellte arabische Zahlen bezeichnen die Blattzählung, Minuszeichen geben Verluststellen an, Pluszeichen stehen für Einfügungen. Angaben für Doppel- und Einzelblätter stehen in Klammern, eine arabische Ziffer vor der öffnenden Klammer gibt die Zahl der aufeinander folgenden gleichartigen Lagen an. Bei Einzelblättern sollte genauer beschrieben werden, ob sie umgelegt, aufgeklebt oder zusammengenäht sind. Beispiel: 10 (IV)80 bezeichnet zehn aufeinanderfolgende Lagen aus je vier Doppelblättern, das letzte Blatt der zehnten Lage trägt die Zahl 80.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Rara


Laminierung

Aufschweißen von Kunststoff-Folie auf einen Schrift- oder Bildträger in einer heizbaren Presse. Form der Kaschierung. In der Bestandserhaltung / Buchbinderbegriffe: Einschweißen von geschwächten (Buch-)Seiten zwischen durchsichtigen Kunststoffolien. Gilt als drastische Veränderung der Originalsubstanz. Alternativen sind das Stabilisieren mit Japanpapier und die Papierspaltung.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Papierspaltung , Einbetten


Leder

Von den Haaren befreite und gegerbte, meist auch gefettete und gefärbte Tierhaut. Die Bezeichnung der verschiedenen Lederarten richtet sich nach der Tierart (Rindleder, Kalbleder, Ziegenleder, Schweinsleder usw.), nach der Gerbart, nach der Zurichtung (hartes, weiches, glattes, wenig oder stark gefettetes Leder usw.) sowie nach dem Verwendungszweck.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Lederbalsam

Vom Britischen Museum entwickeltes spezielles Lederpflegemittel insbesondere zum Schutz vor Rotem Verfall, bestehend aus Wollwachs, Bienenwachs, Zedernöl und Hexan. Die genaue Gewichtung der Zutaten bestimmt sich nach dem Zustand des zu behandelnden Objekts und dem angestrebten Effekt.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Roter Verfall


Lederband

Bucheinband, bei dem Deckel und Rücken mit Leder überzogen sind. Einbandschäden in Form von Fehlstellen werden durch Ergänzung mit neuem Leder behandelt. Sind beide Gelenke gerissen und zudem die Ecken und Kanten stark mitgenommen, so wird ein neuer Ledereinband hergestellt. Die erhaltenswerten Teile des alten Einbandes werden auf den neuen Einband geklebt oder nach entsprechender Bearbeitung in ihn eingelassen.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Lederpflege

Lederpflege beinhaltet die Reinigung, Neutralisierung und Stabilisierung des Leders. Die Neutralisierung von Leder kann durch eine etwa fünfprozentige Kaliumlaktatlösung erzielt werden. Die Zufuhr von Fettsubstanzen erhöht die Elastizität des Leders und wirkt konservierend und stabilisierend. Wichtige Bestandteile von Lederpflegemitteln sind Wollwachs, Walrat, Klauenöl, Zedernöl und Glyzerin. Lederpflegemittel werden als Schmierstoffe für die Lederfasern benutzt. Allgemein verlangsamt Lederpflege die Alterung des Leders und verlängert die Lebensdauer des kollagenen Materials.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Walrat , Wollwachs (Cera lanae) , Zedernöl


Lignin

Neben Zellulose der Grundstoff des Holzes, Bestandteil des holzhaltigen Papiers. Lignin ist für das Vergilben von Papier verantwortlich und wirkt für die zersetzende Wirkung der Schwefelsäure wie ein Katalysator, weshalb holzhaltiges Papier besonders anfällig ist für den Säurefraß.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Luftfeuchtigkeit

Die in einem von Luft, Gas oder Dampf erfüllten Raum enthaltene Wasserdampfmenge. Die in g/qm angegebene absolute Feuchtigkeit ist gleich der in einem Volumen von 1qm tatsächlich enthaltenen Wasserdampfmenge, während die meist in Prozent angegebene relative Feuchtigkeit (Feuchtegrad) gleich dem Quotienten aus der vorhandenen und der bei den vorliegenden Bedingungen maximal möglichen, den Zustand der Sättigung kennzeichnenden Wasserdampfmenge ist. Die spezifische Feuchtigkeit entspricht der Wasserdampfmenge in Gramm, die in 1 kg feuchter Luft oder des betreffenden Gases oder Dampfes enthalten ist. Zu hohe Feuchtigkeit kann insbesondere zu Fäulnis, Verrottung und Frostschäden führen. Zu hohe bzw. zu niedrige Feuchtigkeit beeinflußt das Raumklima in ungünstiger Weise.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Raumklima


Luftfilter

Sollten in die Klimaanlage von Magazinräumen eingebaut werden, um Staubpartikel und Schadstoffe aus der Luft herauszufiltern. Empfehlenswert gegen Partikel sind Gewebefilter, für deren Wirkung neben dem Aufbau des Filtermediums v.a. Faserart und -feinheit bestimmend sind, gegen Luftschadstoffe sollten Aktivkohlefilter eingebaut werden, die die Absorption von Gasen, Geruchsstoffen und Dämpfen ermöglichen.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Luftschadstoffe


Luftschadstoffe

Insbesondere in Städten enthält die Luft eine Vielzahl organischer und anorganischer Stoffe in festem, flüssigem und gasförmigem Zustand. Eine für Bibliotheksmaterialien zersetzende Wirkung kann Schwefeldioxid (SO2) entfalten, das bei der Verbrennung von Kohle, Koks und Erdöl sowie durch Auto- und Industrieabgase entsteht. Für Papier und Leder wird SO2 schädlich, wenn es zu Schwefelsäure oxidiert. Zur Oxydation kommt es in Anwesenheit von Feuchtigkeit und Katalysatoren, die in Papier und Leder vorkommen können (Eisen, Mangan, Kupfer). Schwefelsäure ist stark ätzend und beständig und führt bei Leder zum Rotem Verfall. Papier reagiert sauer, Verfärbungen und Verhärtungen treten auf. Versuche haben gezeigt, daß die Aufnahme von SO2 mit höherer Luftfeuchtigkeit zunimmt. Die Konzentration von SO2 sollte 13 mg/m3 Luft nicht überschreiten. Der Säuregehalt des Papiers ist durch Messen des pH-Werts festzustellen. Eine weitere Belastung stellen die festen Stoffe in der Luft dar wie Ruß, Karbonate, Quarz und Eisenoxid. Ruß (unverbrannter Kohlenstoff mit öligen Bestandteilen) lässt sich von empfindlichen Oberflächen kaum mehr entfernen und kann außerdem Träger von Schwefelsäure sein.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Roter Verfall


Lufttemperatur

Eine zu hohe Lufttemperatur (über 20-21°C) beschleunigt allgemein den Ablauf chemischer Prozesse und damit die natürliche Alterung der Materialien, die brüchig werden und vergilben. Diese Gefahr besteht in besonderem Maße bei Beständen, die von Papierzerfall bedroht sind. In Verbindung mit einer hohen Feuchtigkeit der Luft begünstigt eine Temperatur über 20°C wiederum den Befall mit Schimmelpilzen und Bakterien. Einzelne Schimmelpilze wachsen bei höheren Temperaturen sogar dann, wenn die Feuchtigkeit im Nährmedium knapp unterhalb des Grenzwertes liegt. Eine zu niedrige Lufttemperatur (unter 16°) bewirkt beim Wechsel in eine wärmere Umgebung (z.B. in den Lesesaal) Temperaturschwankungen, die wiederum zur Bildung von Kondenswasser führen. Wird der Taupunkt unterschritten, so kondensiert die Luftfeuchtigkeit an kalten Oberflächen und bewirkt eine hohe relative Feuchte.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Bakterienbefall , Luftfeuchtigkeit , Schimmelpilzbefall


Lumbecken

04.05.2002Frenz
Siehe auch: Klebebindung


Marmorierung

Das Überziehen von Buchschnitten (Marmorschnitt) sowie Vorsatz- und Überzugpapieren mit marmorähnlichen oder Fantasiemustern. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden hierzu oft aggressive Materialien verwendet (säurehaltige Farbe auf Eisensulfatbasis, alkalische Farbe auf Pottaschebasis oder eine Kombination aus beiden), die zu aufgerissenen Oberflächen mit von Säurefarben schwarz korrodierten, verbrannten Risskanten führten.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Massenentsäuerung

Konservierungsverfahren zur Erhaltung zerfallsbedrohter, industriell gefertigter, säure- und holzschliffhaltiger Papiere. Massenentsäuerungsverfahren haben die Neutralisation der zerstörerischen Säure im Papier und das Einbringen einer alkalischen Pufferreserve zum Ziel.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Holzschliffpapier, Massenentsäuerungs-verfahren


Massenentsäuerungs-verfahren

Bekannt geworden sind die in den USA entwickelten Verfahren auf der Basis gasförmiger Wirkstoffe wie das Diethylzink-Verfahren und der Booksaver-Prozess auf der Basis von Ethylenoxid und Ammoniak. Die nichtwässrigen Massenentsäuerungsverfahren mit Magnesiumalkoholaten (MMC), der Wei T'o-Prozess und der FMC-Prozess mit Magnesiumbutoxytriglykolat benutzen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) oder organische Lösungsmittel zum Transport der Wirkstoffe. Im Bookkeeper-Prozess wird eine Suspension von Magnesiumoxid in einem nicht chlorierten Fluorkohlenwasserstoff (FKW) zur Entsäuerung verwendet. Von der Firma Batelle Ingenieurtechnik wurde im Auftrag der Deutschen Bibliothek ein Masseentsäurungsverfahren entwickelt. Eine Großanlage ist 1994 im Zentrum für Bucherhaltung der Deutschen Bibliothek in Leipzig in Betrieb genommen worden. Von den bisher entwickelten Verfahren unterscheidet sich das deutsche Verfahren durch seine hohe Umweltverträglichkeit.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Batelle Ingenieurtechnik GmbH, Zentrum für Bucherhaltung GmbH (ZFB)


Mikroben

04.05.2002Frenz
Siehe auch: Bakterienbefall


Mikroorganismenbefall

Verfärbungen auf Papier und Pergament können Anzeichen eines Befalls durch Mikroorganismen (Schimmelpilzbefall, Bakterienbefall) sein. Farbstoffe, die von den Mikroorganismen ausgeschieden werden, verfärben Papier grün, bräunlich, rot, gelb und schwarz, während Pergament eher violette Flecken aufweist. Die Flecken bleiben auch nach dem Absterben des Urhebers. Farbige Flecken entstehen aber auch dann, wenn das Papier von Mikroorganismen in seiner Struktur angegriffen worden ist.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Bakterienbefall , Schimmelpilzbefall


Milben (Acari)

Ordnung der Spinnentiere mit über 10.000, teils nur mikroskopisch kleinen Arten. Milben sind achtbeinig und vermehen sich durch Eier. In Buchbeständen halten sich oft Haus- und Staubmilben auf, deren Exkremente Allergieauslöser beim Menschen sein können. Natürliche Fressfeinde sind u.a. Bücherskorpione.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Bücherskorpion (Chelifer cancroides)


Motten (Tineidae)

Artenreiche Schmetterlingsfamilie, deren Larven eingesponnen werden. Größtenteils sind sie Vorratsschädlinge, deren hausbewohnende Arten (Kleidermotten, Pelzmotten, Tapetenmotten usw.) sich u.a. von Textilien, Leder, Stärke und organischem Leim ernähren und erhebliche Fraßschäden verursachen.
04.05.2002Frenz
Siehe auch:


Nassbehandlung

Verschiedene Formen der Nassbehandlung von Papieren (Wässern, Baden, Bleichbad) werden angewendet, um den Alterungsprozess von holzhaltigem und sauergeleimtem Schriftgut aufzuhalten, gewellte Papiere zu glätten oder um Schimmel- und Stockflecken bei hadernhaltigen Papieren zu begegnen. Gebundene Bücher werden zu diesem Zweck grundsätzlich auseinandergenommen, und nur die einzelnen Bogen (meist zwischen Gazelagen) gewässert.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Ochsengalle

Rückstand von entfärbter und verdampfter Gallenflüssigkeit von Rindern, dient als Reinigungs- und Pflegemittel für Leder und Pergament.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Papierangießen

04.05.2002Frenz
Siehe auch: Anfasern


Papierfestigung

Stabilisierung brüchiger oder anderweitig instabilem Papier durch Papierspaltung, Laminierung oder Einbetten zwischen Lagen von Japanpapier. Außerdem können Einzelblättern bei einer Nassbehandlung gezielt Stabilisatoren wie Methylzellulose oder Karboxymethylzellulose zugeführt werden.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Laminierung , Nassbehandlung , Papierspaltverfahren , Einbetten


Papierspaltung

Ein Verfahren zum Festigen sehr brüchigen und beidseitig beschriebenen oder bedruckten Papiers. Bei starker Brüchigkeit müssen immer blattartige Gebilde (oft Japanpapier) zwischen die vorher in zwei Hälften gespaltenen beiden Blattoberflächen gebracht wird.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Papierspaltverfahren


Papierspaltverfahren

Auf die beiden Oberflächen wird zunächst mit einem leicht wasserlöslichen Klebstoff (Gelatine einer bestimmten Viskosität) je ein Trägerpapier geklebt. Der Klebstoff muss fest und durchgängig auf der Oberfläche haften oder sogar in sie eindringen, die Schichten beider Seiten dürfen aber im Innern nicht zusammentreffen. Nach angemessenem, aber nicht vollständigem Trocknen werden die beiden Trägerpapiere mit den daran haftenden Blatthälften auseinander gezogen und anschließend mit schwer wasserlöslichem Klebstoff (Kleister, Methylzellulose) rückseitig auf einem festigenden Kern (Japanpapier) geklebt. Abschließend werden die beiden äußeren Schichten, d. h. die Trägerpapiere samt Klebstoff in heißem Wasser und gegebenenfalls mit Hilfe von proteolytischem Enzym möglichst weitgehend entfernt. Papierspaltverfahren können manuell und maschinell durchgeführt werden.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Gelatine , Papierspaltung , Japanpapier


Papierzerfall

Während das jahrhundertelang aus Hadern hergestellte Papier alkalisch, holzfrei und dadurch sehr haltbar ist, ist Papier, das seit Mitte des 19. Jahrhunderts hergestellt wurde, aufgrund damaliger technischer Neuerungen heute vom Papierzerfall bedroht: Es vergilbt von den Rändern her, verbräunt und wird brüchig. Die Neuerungen, die sich heute so negativ auswirken, vollzogen sich in mehreren Stufen: - Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurden auch gefärbte Lumpen als Rohstoff verwendet. Bei der Entfärbung wird die Zellulose durch Oxidationsprozesse destabilisiert. - Seit 1807 wurde Papierbrei mit Kalium-Aluminiumsulfat-Harz geleimt. Im Papier entstehen dadurch Substanzen, die unter Licht- und Sauerstoffeinwirkung Säure bilden. Im Papier entsteht aus Sulfat Schwefelsäure, die die Zellulose zersetzt. - Die Verwendung von Holzschliff als Papierrohstoff neben Hadern seit 1845 ist eine weitere Ursache für den Papierzerfall. Seit etwa 1870 wird Holz zum Hauptrohstoff bei der Papierherstellung.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Pergament

Beschreibstoff aus enthaarten, geglätteten, häufig mit Kreideschlamm behandelten, ungegerbten Tierhäuten (Schaf, Ziege, Kalb). Nach Erfindung des Papiers verlor das Pergament seit dem 15./16. Jhdt. an Bedeutung.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Pergamentbehandlung

Aufgrund der Beschaffenheit der Pergamentbeschreibstoffe sollte Pergament möglichst trocken behandelt werden. Pergamentreinigung kann z. B. durch Radieren, Schaben oder Schleifen erzielt werden. Stabilisierung und Fehlstellenergänzung werden mit Pergamentleim, Goldschlägerhaut, Gelatine, neuem Pergament oder mit Japanpapier erreicht.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Gelatine , Pergament , Einbetten , Japanpapier


Physikalische Schimmelbekämpfung

Eine Form der physikalischen Schimmelbekämpfung ist die Bestrahlung des befallenen Bibliotheksguts. Erfolgreich angewandt wird die Gammabestrahlung, wobei Bedenken wegen der noch nicht genügend untersuchten Gefahr von längerfristigen Beeinträchtigungen der Papiereigenschaften bestehen.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Pilzbefall

04.05.2002Frenz
Siehe auch: Schimmelpilzbefall


Prävention

Schadensvermeidung durch Vorbeugung. In den Bereich der Prävention fallen die Erhebung und Überwachung des Magazinklimas (Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit, Staub- und Schadstoffgehalt der Luft), dadurch können die Aufbewahrungsbedingungen optimiert und Schäden vorgebeugt werden. Präventive Maßnahmen sind auch die Erhebung der Schadensarten und -grade, Schutzvorschriften zur schonenden Behandlung der Werke (Kopierverbot, Ausleihbeschränkung auf Lesesäle) und die Anleitung von Bibliothekspersonal und BenutzerInnen zum schonenden Umgang mit Büchern, Zeitschriften, Zeitungen und anderen Medien.
04.05.2002Frenz
Siehe auch:


Raumklima

Das Raumklima wird durch Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit bestimmt. Für die Konservierung von Bibliotheks- und Archivmaterialien sollte es möglichst stabil sein.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Klimaschwankungen, Luftfeuchtigkeit , Lufttemperatur


Rekonstruktion

Erschließung und möglichst Wiederherstellung der Ganzheit eines Objektes aus einzelnen nachgewiesenen oder nicht erhaltenen Teilstücken. Rekonstruktionen z.B. am Einband sind immer dann erforderlich, wenn ein Buch für die Pergament- bzw. Papierinstandsetzung in seine Bestandteile zerlegt werden muss. Geopfert werden müssen in solchen Fällen immer die originale Heftung und manche Eigenheiten des Einbandes, die durch eine Rekonstruktion immer nur ein Abbild sein können.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Reparatur

Maßnahmen zur Wiederherstellung eines beschädigten Stückes, die die Struktur des Stückes nicht betreffen, bei denen also das Buch nicht zerlegt, keine Teile abgenommen, lose Teile nur wieder befestigt, geschwächte Teile verstärkt werden, ohne dass der ästhetische Gesamteindruck des Stückes davon nennenswert betroffen ist. Die Abgrenzung zur Restaurierung ist nicht immer eindeutig.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Restaurierung


Restaurierung

Maßnahmen zur Wiederherstellung eines beschädigten Stückes. Diese können sich, je nach Art und Ausmaß des festgestellten Schadens, auf die Ergänzung von verlorengegangenem Material beschränken oder auch einen tiefen Eingriff in die Struktur eines Buches bedeuten, nämlich dann, wenn ein Teil der vorhandenen Originalsubstanz ersetzt werden muss, da sie ihre für die Benutzung notwendige technische Funktion nicht mehr erfüllt. Restaurierung zielt auf die Sicherstellung und Wiederherstellung der Gebrauchsfähigkeit einzelner Objekte, wobei der Charakter des Originals unter weitgehender Erhaltung der originalen Substanz bewahrt werden soll. Jede Restaurierungsmaßnahme muss dokumentiert werden, die angewandten Verfahren müssen rückgängig gemacht werden können, und die Arbeiten sollten für ein geübtes Auge leicht erkennbar sein.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Reparatur


Restaurierungswerkstatt

Nur einschlägige Bibliotheken mit großem Altbestand haben eine eigene Restaurierungswerkstatt. In vielen Fällen müssen Restaurierungsaufträge an gewerbliche Restauratoren außer Haus gegeben werden. Durchgeführt werden v.a. Restaurierungsverfahren in Nass- und Trockenverfahren, Einbandrestaurierung (inklusive Ergänzung von Schließen und Beschlägen), Anfertigung von Schutzverpackungen, Entschimmeln von Einzelobjekten.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Restaurierung


Rinderblinddarm

Die wegen ihrer Dünne, Transparenz und Glätte zum Restaurieren von Pergament geeignete Haut des Blinddarms von Rindern.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Pergament


Rost

Oxidierendes Eisen aus Büroklammern, Drahtheftung etc. hinterlässt nicht nur ebenso hässliche wie hartnäckige Flecken auf dem Papier, sondern bewirkt auch eine lokale Schädigung. Bei Archivgut sollten deshalb Heftungen und Klammern nach Möglichkeit entfernt werden, der Zusammenhang der Dokumente kann durch Bauchbinden aus säurefreiem Papier erreicht werden
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Roter Verfall

Durch falsche Gerbung und Pflege verursachte Auflösungserscheinung an Einbänden aus der Zeit seit 1830, teilweise auch an älteren lohgargegerbten Ledern. Als Roten Verfall bezeichnet man eine Zersetzung des Leders an der Oberfläche, bei der das Leder rotbraunen Staub absondert und brüchig wird. Hauptursache des Roten Verfalls ist neben Gerbfehlern das Zusammenwirken zwischen bestimmten Substanzen der Gerbstoffe und dem Schwefeldioxid der Luft. Als Konservierungsmaßnahme bietet sich die vorbeugende Behandlung der gefährdeten Bände mit einer siebenprozentigen Kaliumlaktatlösung sowie mit Lederbalsam an. Leichtere Fälle können mit Solvat-Lederkonservierungsmittel 104 gebessert werden. Bei schwereren Schäden empfiehlt sich das Einreiben mit dünnem konservierendem Kleister und anschließender Einfettung mit Lederkonservierungsmittel 104 oder Cire 102. Bereits aufgetretene Schäden sind jedoch irreversibel.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Leder , Lederbalsam, Lederband


Roter Zerfall

04.05.2002Frenz
Siehe auch: Roter Verfall


Rundbogenheftung

Art der Heftung, die einen runden und damit stabilen Buchrücken begünstigt. Der Heftfaden wird für jede Lage nicht nur einmal, sondern mehrmals um die Bünde gewickelt. Die Oberfläche der Bünde erhält so eine enge Packung von Zwirn, was sie widerstandsfähig gegen mechanische Deformierungen macht.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Schimmelbekämpfung

Neben vorbeugenden Maßnahmen sind (bei eingetretenem Schimmelbefall) die folgenden Maßnahmen zur Schimmelbekämpfung durchzuführen: 1) Ermittlung und Beseitigung der Ursache(n), 2) befallenes Material separieren, 3) zur Trocknung werden die befallenen Bestände in einem trockenen, kühlen, gut gelüfteten und gereinigten Raum aufgestellt. Evtl. Beschleunigen der Trocknung durch Vakuumtrocknungsverfahren. Danach erfolgen das Säubern (Ausbürsten oder Aussaugen) und Einstellen der Bände. Bei größeren Schäden ist das Einfrieren der Bestände sinnvoll, um das Wachstum der Pilze zu verhindern.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Chemische Schimmelbekämpfung , Physikalische Schimmelbekämpfung, Schimmelpilzbefall


Schimmeldetektion

Nachweis von Schimmel, insbesondere von keimfähigem Schimmel, z. B. mit Hilfe von Wischtestern. Die Schimmeldetektion ist Grundvoraussetzung jeder Art von Schimmelbekämpfung.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Schimmelbekämpfung


Schimmelpilzbefall

Die Bezeichnung Schimmelpilze umfasst eine Vielzahl (etwa 100.000) mikroskopisch kleiner Pilzarten, von denen ca. 200 Papier befallen. Da Pilze kein Chlorophyll besitzen und sie ihren Kohlenstoffbedarf nicht durch Assimilation von Sauerstoff aus der Luft decken können, benötigen sie zu ihrer Ernährung organisches Material, das sie zersetzen. Bücher können unter bestimmten klimatischen Verhältnissen zum Nährmedium für Schimmelpilze werden, da sie verschiedene organische Substanzen enthalten, wie z.B. Zellulose oder Stärke. Schimmelpilze vermehren sich durch Sporen, die in großer Menge ausgebildet werden und bei vielen Arten Jahre oder sogar Jahrzehnte überdauern können. Zum weiteren Wachstum brauchen die Sporen jedoch in einer bestimmten Phase Nährstoffe von außen. Neben dem Vorhandensein von Nährstoffen sind die Umweltbedingungen ausschlaggebend für die Ausbildung und Vermehrung von Schimmelpilzen. Eine große Rolle spielen die Lufttemperatur und die Luftfeuchtigkeit Eine Kontamination von Bibliotheks- oder Archivmaterialien (auch Fotomaterial) kann irreparable Schäden hervorrufen, da ihre organischen Bestandteile zersetzt werden: Es bilden sich Löcher, Leder wird brüchig, Papier und Pergament verändern ihre physikalischen Eigenschaften und ziehen noch mehr Feuchtigkeit an, was den weiteren Zerfall beschleunigt. Bei MitarbeiterInnen und BenutzerInnen von Bibliotheken und Archiven können Schimmelpilze in ungünstigen Fällen Mykosen (eine Infektionskrankheit) oder Mykoallergosen (eine allergische Reaktion) hervorrufen.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Luftfeuchtigkeit , Lufttemperatur


Schließe

Verschluss an Büchern mit Holzdeckeln aus Metall oder Leder, der über seine Funktion hinaus häufig selbst zum Schmuckstück wurde. Da Pergament ohne Druckausübung dazu neigt, wellig zu werden und zu sperren, sollten verlorengegangene Schließen ersetzt werden. Ist eine Schließe noch vorhanden, so bildet man den Ersatz der Vorlage nach. Sind beide Schließen verlorengegangen, so wählt man die einfachste Form, die der Entstehungszeit des Buches entspricht.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Pergament


Schnitt

Die drei Seiten des Buchblocks, an denen die Blätter geschnitten wurden. Man unterscheidet Kopfschnitt (oben), Schwanzschnitt (unten) und Vorderschnitt (gegenüber dem Rücken).
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Schuber

Behältnis, das zur Aufbewahrung eines Buches dient und dafür passgenau angefertigt wird, wobei der Buchrücken offen sichtbar bleibt. Schuber müssen aus alterungsbeständigem, säure- und holzschlifffreiem Material gefertigt sein und können von der Hausbuchbinderei hergestellt werden.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Schutzverpackung


Schutzpapier

Neutrale bzw. gepufferte Papiere, die etwa bei abblätternden Farben, vergilbten Vorsatzpapieren oder Passepartouts eingelegt werden, z.B. Japanpapier, Gampipapier, Seidenpapier.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Japanpapier


Schutzumschlag

Dem Schutz des Einbandes dienender Papier- oder Kunststofffolienumschlag mit umgeschlagenen Klappen an den Deckelkanten.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Schutzverpackung

Bücher können in der Regel ohne Schutzverpackung aufbewahrt werden. Notwendig wird eine Schutzverpackung bei 1)Bänden mit mechanischen Schäden, eingerissenen oder fehlenden Rücken, losen Teilen etc. Lose Teile sollten in einem separaten alterungsbeständigen Umschlag der Verpackung beigelegt werden, 2)durch Schließen stark verformten Pergamentbänden, 3)Bänden mit Beschlägen, 4)Bänden mit empfindlichem Bezugsmaterial z.B. aus Seide, Samt oder Leder mit Rotem Verfall, 5)Bänden mit empfindlichen Verzierungen, 6)Magazinen mit sehr schlechter Luftqualität. Alle Schutzverpackungen müssen aus säure- und holzschlifffreiem Material gefertigt sein. Je nach Möglichkeiten und Bedarf eignen sich gepuffertes Umschlagpapier, das um das gesamte Buch geschlagen und mit Leinenband befestigt wird, vorgefertigte, in der Größe variable Schutzbehälter mit Klettverschlüssen oder vom Buchbinder angefertigte Kassetten oder Schuber nach Maß.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Schuber , Schutzpapier


Schwingungsbelastungen

Durch mechanische Belastung (Schwingungen) kann der Verbund unterschiedlicher Materialien irreversibel gelockert werden. Schwingungsbelastungen treten beim Transport in Aufzügen und Verkehrsmitteln, vor allem in Transportkisten auf. In Vitrinen liegende Ausstellungsstücke sind durch die Schritte der Besucher Schwingungsbelastungen ausgesetzt.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Silberfischchen (Lepisma saccharina)

Ordnung der Borstenschwänze (Thysanura), flügelloser, silbrig glänzender kleiner (max. 12 mm) Kulturfolger, nachtaktiv, bevorzugt warme, feuchte Umgebung, ernährt sich mit Vorliebe von Kohlenhydraten, Stärke, Dextrose, Zellulose (deshalb auch unter der Bezeichnung Zuckergast bekannt), befällt daher auch Papier und verursacht Fraßschäden.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Sperren

Die Eigenschaft eines Buches, sich am Vorderschnitt von selbst zu öffnen.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Staublaus (Trogium Pulsatorium)

Ordnung der Flechtlinge (Psocoptera), teils flügellose, sehr kleine (max. 5 mm), meist bräunliche Tiere, Vorkommen innerhalb von Gebäuden in Holz, aber auch in Papier, Vermehrung durch Eier, die eingesponnen werden, ernähren sich u.a. von Pilzsporen, weshalb ihr Auftreten in Buchbeständen nicht nur auf sichtbare Verschmutzung (Staub), sondern auch auf evtl. mit dem Auge noch nicht erkennbare Schimmelbildung hindeutet.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Stockflecken

Braune bis rotbraune Flecken, die sich bei langer Lagerung in zu feuchter Umgebung auf Papier bilden. An ihrer Entstehung sind neben Verunreinigungen des Papiers wahrscheinlich Mikroorganismen beteiligt. Die braune Farbe rührt von Eisen her, das bei der Herstellung mit dem Fabrikationswasser in das Papier gelangt.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Säurefraß

Die Schädigung des Papiers erfolgt durch Schwefelsäure (H3SO4), die auf mehreren Wegen in das Papier gelangen kann: Zum einen durch die Zersetzung von Aluminiumsulfat, das während der Papierherstellung als Leimungshilfe und Flockungsmittel zugegeben wurde, zum anderen durch den Zerfall von Eisengallustinte im Tintenfraß , und schließlich durch den Eintrag und anschließende Umsetzung von Schwefeldioxid aus der allgemeinen Luftverschmutzung. Die Schwefelsäure zerfrisst die Molekülketten der Zellulose und damit die Grundlage des filzigen Fasergeflechtes des Papiers. Es wird daraufhin meist vom Rand her, wo die Luftfeuchtigkeit einwirkt, zunächst braun und spröde, schließlich brüchig, bis es im Extremfall staubfein zerfällt. In fortgeschrittenen Stadien ist meistens nur noch eine Transferierung in Ersatzmedien (Verfilmung, Digitalisierung) möglich, zu Beginn der Schädigung greifen die verschiedenen Verfahren der Entsäuerung und der Papierspaltung.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Eisengallustinte , Luftschadstoffe , Retrodigitalisierung


Taupunkt

Als Taupunkt bezeichnet man die Wassermenge, die von der Luft bei einer jeweiligen Lufttemperatur gerade noch aufgenommen werden kann. Wird diese Sättigungsmenge überschritten, so kondensiert das überschüssige Wasser als Tröpfchen. Das Aufnahmevermögen der Luft hängt von der Temperatur ab: Je höher die Temperatur, desto mehr Wasserdampf kann von der Luft aufgenommen werden, sinkt die Temperatur, dann sinkt auch der Taupunkt.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Luftfeuchtigkeit , Lufttemperatur


Thermohygrograph

Gerät, auf dem mit einem Schreiber ständig die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit graphisch aufgezeichnet wird. Dient der Klimakontrolle in Magazinen und sollte monatlich nachgeeicht werden.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Raumklima


Tintenfraß

Durch die Verwendung von Eisengallustinte hervorgerufene lokale Schädigung des Papiers. Die Bestandteile der Tinte sind stark säurehaltig, sodass an der Stelle ihres Auftrags die Papierstruktur zerstört wird. Im Anfangsstadium wird die Schrift bzw. Zeichnung, denn Eisengallustinte war auch in der bildenden Kunst sehr beliebt, auf der Rückseite des Blattes sichtbar. Dann verfärbt sich das ganze Umfeld der Schrift braun, bis schließlich die Buchstaben durch das Papier hindurchfallen und nur noch Löcher hinterlassen. Eine Lösung des Problems ist jetzt nicht abschließend gefunden.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Eisengallustinte


Totenuhr (Xestobium rufovillosum)

Dunkelbrauner, kleiner (max. 9 mm) Holzbohrkäfer aus der Familie der Klopfkäfer, dessen aus Aberglauben entstandener Name sich aus dem auch für Menschen hörbaren Klopfen der Weibchen im Holz herleitet, die Larven entwickeln sich in morschem Holz und verursachen erhebliche Fraßschäden.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Ultraviolette Strahlung (UV)

Ultraviolette Strahlung schließt mit Wellenlängen von etwa 400 bis 10 nm auf der kurzwelligen, hochfrequenten (violetten) Seite an den sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums an. Sie ist der energiereichste und damit für Papier schädlichste Typ optischer Strahlung. Tageslicht mit einem hohen Anteil an ultravioletter Strahlung, sowie Halogenlampen schädigen die Materialien also mehr als eine UV-arme Glühbirne. Messwerte über 75 Mikrowatt/Lumen sind bedenklich. Die schädigende Wirkung beruht darauf, dass die Materialien Strahlen absorbieren und dabei die Energie in Wärme umgewandelt wird oder fotochemische Reaktionen auslöst. Die Reaktionsprodukte, die durch die Reaktion von UV-Strahlen mit Nebenbestandteilen von Papier (Harzen, Leimen, Farbstoffen etc.) entstehen, greifen die Zellulose an, indem sie die Langketten-Moleküle spalten. Die mechanische Festigkeit des Papiers wird dadurch vermindert. Holzhaltige und harzgeleimte Papiere vergilben, werden geschwächt, Farben und Tinte bleichen aus. Hohe Lufttemperatur und hohe Feuchtigkeit beschleunigen diesen Prozess.
04.05.2002Frenz
Siehe auch:


Ultraviolettes Licht

04.05.2002Frenz
Siehe auch: Ultraviolette Strahlung (UV)


Vorbeugende Schimmelbekämpfung

Gegenüber chemischen und physikalischen Methoden der Schimmelbekäpfung wird der vorbeugenden Priorität eingeräumt. Vorbeugende Maßnahmen sind die Reinhaltung der Magazine, konstantes Raumklima mit einer Temperatur von unter 25°C und Luftfeuchtigkeit von unter 55%, Pilzsporentests, Reinigen der Bücher mit Staubsauger mit Mikrobenfilter.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Walrat

Lederpflegemittel, gewonnen aus dem Spermazetöl des Pottwale.
29.04.2002Frenz
Siehe auch:


Wasserschaden

Durch das Nasswerden von Bänden entstehen erhebliche bis schwere Schäden. Risse, Knicke, Schmutz und Wasserränder sind die Folge. Werden in den ersten 24-48 Stunden nach dem Wasserschaden keine Maßnahmen ergriffen, so ist ein Schimmelpilzbefall unabwendbar.
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Schimmelpilzbefall


Wollwachs (Cera lanae)

Lederpflegemittel, Gemisch der Hautausscheidungen von Schafen, es wird aus der Schafwolle gewonnen. Wollwachs bildet mit Wasser eine stabile Emulsionen (Lanolin).
04.05.2002Frenz
Siehe auch:


Zedernöl

Lederpflegemittel. Viskoses, fast farbloses ätherisches Öl, es wird durch Wasserdampfdestillation von Zedernholz gewonnen.
04.05.2002Frenz
Siehe auch:


Zentrum für Bucherhaltung GmbH (ZFB)

Das ZFB mit Sitz in Leipzig bietet als betriebswirtschaftlich arbeitende Dienstleistungseinrichtung Kunden des In- und Auslands alle wesentlichen Bestandserhaltungstechnologien, Logistik und begleitende Maßnahmen zur Bestandserhaltung an. Das Angebot umfasst u.a. Beratung, Massenentsäuerung, Einzelblattbehandlung (z.B. Stabilisierung durch Spalten), Tintenfraßbehandlung, Mikrobenbekämpfung, Restaurierung, Reprint / Verfilmung / Digitalisierung oder Behandlung von Wasserschäden. Das ZFB ging 1998 aus dem Zentrum für Bucherhaltung der Deutschen Bibliothek, Deutsche Bücherei Leipzig als Ausgründung hervor. Bekanntheit erlangte das ZFB nicht zuletzt durch die Optimierung des Massenentsäuerungsverfahrens und die Entwicklung der weltweit ersten Papierspaltmaschine. http://www.zfb.com
04.05.2002Frenz
Siehe auch: Massenentsäuerung , Papierspaltverfahren , Restaurierung